Montag, 26. September 2016

Jonas Kaufmann sagt Meistersinger in München ab
















Mit drei Terminen ist die Reprise der Münchner Neuproduktion Die Meistersinger von Nürnberg für Anfang Oktober im Nationaltheater angesetzt, diese werden jetzt ohne Jonas Kaufmann als Walther von Stolzing stattfinden. Er musste aus gesundheitlichen Gründen absagen und wird durch Burkhard Fritz ersetzt, der damit nach dem Lohengrin im Frühjahr bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr zu Einspringer-Ehren in einem Stück von Richard Wagner an der Bayerischen Staatsoper kommt. Jonas Kaufmann hatte als Stolzing erst in der Premiere dieser Meistersinger-Inszenierung im Sommer sein erfolgreiches Debüt in der Partie gegeben, wir wünschen ihm gute Genesung. Gegenüber der Premierenserie gibt es noch ein paar weitere Umbesetzungen: Georg Zeppenfeld übernimmt den Pogner und Martin Gantner den Beckmesser, Emma Bell die Eva und Claudia Mahnke die Magdalene. Die Meistersinger sind in München Chefsache: Alle drei Aufführungen werden selbstverständlich von Kirill Petrenko dirigiert. Es gibt übrigens noch Restkarten für alle Termine der Serie und im Forum der Bayerischen Staatsoper häufen sich seit der Absage die Kartenangebote, was zumindest irritierend ist, weil die Aufführung auch ohne den Startenor mehr als hochkarätig ist. Vielleicht tauscht sich ja das Publikum nun in Richtung mehr Sachverstand und Musikbezug aus, schaden kann das in München nie!

Donnerstag, 1. September 2016

Singt Anna Netrebko die Elsa in Bayreuth?















Es war eines der Ereignisse der vergangenen Opernsaison: Anna Netrebko debütierte in Dresden an der Semperoper als Elsa in Richard Wagners Lohengrin unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann. Sie überzeugte auf der ganzen Linie und schien mit ihrem Erfolg Gerüchte zu bestätigen, dass sie auch auf dem Grünen Hügel in dieser Partie auftreten werde. Bei den Bayreuther Festspielen steht die nächste Neuproduktion des Werkes im Jahr 2018 an, die musikalische Leitung hat dann wiederum Christian Thielemann - der damit den kompletten Bayreuther Werkkanon vor Ort absolviert haben wird. Die Inszenierung soll Alvis Hermannis übernehmen, die Ausstattung der eher als bildende Künstler bekannt Neo Rauch. So weit, so gut. Nun muss trotz aller verkündeten Begeisterung die Vorbereitung des Debüts in Dresden anstrengend gewesen sein: Christian Thielemann hatte es mir eingebleut, dass es auf die Worte ankommt. Er sagte, er wolle keine musikalischen Linien von mir hören, er wolle Tttexssssttt hören! Vokale! Konsonanten! Elsa war wirklich hart. Da sich die Netrebko wirklich raussuchen kann, was sie wann, wo und mit wem macht klang das wie die Einläutung eines geordneten Rückzugs aus dem deutschen Fach, in welches sie doch gerade erst so vielversprechend gestartet war. Nach ein paar öffentlichen Irritationen hat man sich jetzt auf die Sprachregelung verständigt: Wir sind in Verhandlungen! Also alles noch offen, ein bisschen Zeit ist ja noch bis 2018 und die Hoffnung stribt bekanntlich zuletzt, auch in Bayreuth.

Montag, 29. August 2016

Hartmut Haenchen bleibt auch 2017 in Bayreuth

Es war sein Wunsch, den Parsifal noch mal richtig zu machen und der wird ihm jetzt gewährt und eine Zugabe gibt es noch obendrauf: Hartmut Haenchen, der in diesem Jahr die Neuproduktion des Parsifal bei den Bayreuther Festspielen erst kurz vor der Premiere übernommen hat, wird seine Arbeit am Grünen Hügel auch 2017 fortführen und die musikalische Leitung der Wiederaufnahme übernehmen. Sein Einspringen in diesem Sommer war notwendig geworden, weil der ursprünglich vorgesehene Dirigent Andris Nelsons seinen Vertrag kurzfristig gekündigt hat und Ende Juni aus Bayeuth abgereist ist. Über die tatsächlichen Gründe dafür ist immer noch nichts bekannt. Noch fraglicher dürfte es jetzt sein, ob Andris Nelsons je wieder nach Bayreuth zurückkehren wird. Schon länger wurde kolportiert, dass er die nächste Ring-Produktion, die ab 2020 gespielt wird, musikalisch leiten werde. Für Hartmut Haenchen gibt es noch eine Zugabe, er wird am 24. Juli 2017 - also einen Tag vor der Eröffnung der Festspiele mit der Premiere von Die Meistersinger von Nürngberg - eines der sehr seltenen Sonderkonzerte im Festspielhaus leiten. Anlass dieses Gedenkkonzerts ist der einhundertste Todestag oder auch der fünfzigste Geburtstag von Neu-Bayreuth-Gründer Wieland Wagner (1917-1966).

Sonntag, 28. August 2016

Opulenter Faust aus Salzburg als Video in der Mediathek













Zum Abschluss der diesjährigen Salzburger Festspiele hat 3sat gestern einen kompletten Mitschnitt der diesjährigen Neuproduktion des Faust von Charles Gounod gezeigt, dieser ist jetzt für eine Woche in der Mediathek des Senders kostenfrei abrufbar! Der erste Eindruck von der Inszenierung von Reinhard von der Thannen, der hier auch als sein eigener Kostüm- und Bühnenbildner agiert, bleibt allerdings merkwürdig unentschlossen. Optisch bietet die Aufführung durchaus viel, die weite Bühne des Großen Festspielhauses wird gekonnt bespielt, aber von einem analytischen Zugriff auf das Riesenwerk kann leider keine Rede sein. Weder gibt es tiefere Einsichten über den Stoff zu vermelden, noch darüber, warum die Oper gerade jetzt erstmals in den Salzburger Spielplan aufgenommen wurde, was ja repertoiretechnisch durchaus zu begrüßen ist. Die Protagonisten und auch der Chor sind über weite Strecken gut geführt, manche Details wirken dennoch merkwürdig unausgearbeitet und nahe am Klischee. Man wähnt sich im Laufe des langen Abends immer mehr in einer weichgespülten Fortsetzung des Bayreuther Ratten-Lohengrins von Hans Neuenfels aus dem Jahr 2010, der ebenfalls von Reinhard von der Thannen ausgestattet wurde. Nur dass dort ein wagemutiger Künstler-Regisseur, den schwelenden Konflikten zum Ausbruch verholfen hat und das eben manchmal auch mit der Brechstange. Ach, hätte man doch in Salzburg Hans Neuenfels mit ins Regieteam verpflichtet, er hat doch diesen Sommer frei. Die Aufführung hätte große Chancen gehabt, ein Ereignis zu werden. Die richtig zündende Gesellschaftskritik gab es im vielgerühmten Lohengrin damals übrigens auch nicht, da waren auch eine Menge Oberflächenreize im Spiel. Vom Kunstgewerbe zur Kunst ist es eben manchmal nur ein kleiner Schritt, aber zurück eben auch! Besetzungstechnisch müsste man dann aber für Tenor Piotr Beczala eine Alternative finden, denn der führt ja bekanntermaßen eine schwarze Liste von weniger werktreuen Regisseuren, mit denen er nicht arbeitet und Hans Neuenfels dürfte auf dieser im oberen Mittelfeld zu finden sein. Das wäre wirklich schade, denn er macht seine Sache als Faust richtig gut, das ist mehr als rollendeckend, große Präsenz und schöne Stimmführung bis in die Höhe hinauf. Auch Ildar Abdrazakov als Mephisto überzeugt mit einer virilen Darstellung und einer ausgewogenen Stimmführung. Keinen ganz guten Tag hatte Maria Agresta, in deren Solonummern hin und wieder Grenzen aufscheinen, ihrer Figur hat Gounod mit der Maguerite allerdings auch eine Hammerpartie geschrieben, an die sich schon ganz andere Sängerinnen nicht rangetraut haben. Orchester und Chor sind unter der der besonnenen Leitung von Alejo Pérez in der richtigen Mischung von souverän bis prachtvoll disponiert. Alles in allem haben Freunde der opulenten französischen Musik des 19. Jahrhunderts einen schönen Abend und das ist doch auch schon mal was.

Samstag, 27. August 2016

Günther Groissböck hat große Pläne in Bayreuth















Er gehört zu den interessantesten Sängern seiner Generation: Günther Groissböck - der immer noch junge Bassbarition aus Österreich. Als Ochs im Rosenkavalier ist er derzeit kaum zu übertreffen und auch als verlässlicher und souveräner Wagner-Sänger setzt er schon seit eingen Jahren Maßstäbe an vielen großen Häusern. Seine nächsten Karriereschritte werden eng mit den Bayreuther Festspielen verbunden sein, wie er einem einschlägigen Blog verraten hat. In der Neuproduktion des kommenden Jahres (Die Meistersinger von Nürnberg, inszeniert von Barry Kosky, musikalisch geleitet von Philippe Jordan) wird er als Veit Pogner zu erleben sein, in den beiden darauffolgenden Jahren übernimmt er den Gurnemanz im Parsifal (der diesjährigen Neuproduktion) von Georg Zeppenfeld. Und im Sommer 2020 - in der Premiere der nächsten Ring-Produktion - wird er als Wotan debütieren. Ein beeindruckender Kalender und für Bayreuth auf jeden Fall eine sehr gute Wahl!

Donnerstag, 25. August 2016

Salzburger Faust auf 3sat













Auch die zweite große Opernproduktion der diesjährigen Salzburger Festspiele (neben Die Liebe der Danae von Richard Strauss) - Faust von Charles Gounod - wird im Fernsehen übertragen. Am Samstag, dem 27. August 2016 um 20.15 Uhr ist es auf 3sat so weit. Zum ersten Mal in der fast hundertjährigen Geschichte der Salzburger Festspiele steht die Oper auf dem Programm. Charles Gounods Musikdrama bietet französische Romantik pur: wunderbar eindringliche Melodien, verführerische Arien und subtil gestaltete Instrumentalsoli heißt es in der Sendeankündigung. Das Libretto stellt die Figur der Marguerite in den Vordergrund, deshalb wurde die Oper vor allem im deutschsprachigen Raum lange Zeit unter dem Titel Margarethe gespielt. In dieser Aufführung verkörpert die Sopranistin Maria Agresta diese anspruchsvolle Partie, vor der schon ihre eigentlich als furchtlos bekannte Kollegin Anna Netrebko zurück geschreckt ist. Piotr Beczala singt den Faust und Ildar Abdrazakov den Méphistophélès, die musikalische Leitung hat Alejo Pérez. Ausstattung und Inszeneriung hat Reinhard von der Thannen in Personalunion übernommen. Bekannt wurde er u.a. durch den Bayreuther Ratten-Lohengrin von Hans Neuenfels, den er ausgestattet hat und an den die Aufführung zumindest optisch erinnert.

Der Mitschnitt der Aufführung ist bis Anfang September 2016 in der 3sat-Mediathek abrufbar.

Mittwoch, 24. August 2016

Georg Zeppenfeld - der Held von Bayreuth 2016















Die Bayreuther Festspiele 2016 gehen langsam, aber sicher ihrem Ende entgegen. Mit gleich drei Partien gehörte der Bassist Georg Zeppenfeld zu den meistbeschäftigten Sängern in diesem Jahr auf dem Grünen Hügel. Zum hochgelobten Gurnemanz in der Neuproduktion des Parsifal kam noch der König Marke, den er bereits seit letztem Jahr singt und als kurzfristiger Einspringer für einen erkrankten Kollegen der Hunding in der Walküre. Die musikalisch interessierte Öffentlichkeit hatte den grundsoliden und hochmusikalischen Sänger wohl bislang nicht so richtig auf dem Schirm, anders ist es nicht zu erklären, dass jetzt von Durchbruch die Rede ist und er als Entdeckung gefeiert wird. Seine Karriere - auch die in Bayreuth - dauert schon mehr als zehn Jahre, zu nennen wäre nicht nur sein König Heinrich in der Lohengrin-Produktion von Hans Neunenfels, sondern auch  die zahlreichen Auftritte an seinem Stammhaus, der Dresdner Semperoper, dort ist er schon lange eine Stütze des Hauses. Er reüssiert übrigens nicht nur im deutschen, sondern auch im im italienischen Fach und übernimmt Ausflüge darüber hinaus. In der kommenden Woche zum Beispiel steht in der Reprise der neuen Produktion von Eugen Onegin in Dresden als Gremin auf der Bühne. Ein schönes Kontrastprogramm, welches er wie gewohnt mit der ihm eigenen Präszision und Souveränität absolvieren wird. Der Neuen Musikzeitung hat Georg Zeppenfeld ein lesenswertes und symphatisches Interview gegeben.

Dienstag, 16. August 2016

Großes Interesse an der neuen Elbphilharmonie Hamburg
















Insgesamt genau 223.346 Menschen aus aller Welt haben an der Ticketverlosung für die Eröffnungskonzerte der Elbphilharmonie am 11. und 12. Januar 2017 teilgenommen. Die Aktion war damit auf jeden Fall ein Riesenerfolg für die Marketingabteilung des Hauses. Für die Konzerte im ersten Halbjahr 2017, die seit zwei Monaten im Vorverkauf sind gibt es für ausgewählte Termine noch Restkarten. Auch wenn der Neubau in Hamburg aus nachvollziehbaren Gründen lange Zeit auf eine gemischte Resonanz stieß scheint die Stimmung in der Stadt inzwischen nachhaltig in Richtung pro Elbphilharmonie zu drehen. Eine Entwicklung, die nicht überraschend kommt und die man sich andernorts genau anschauen sollte. Und sollte das große Interesse nach der Eröffnungssaison irgendwann einmal nachlassen hat man ja jetzt einen umfangreichen E-Mail-Verteiler, den man dann beschicken kann.

Montag, 15. August 2016

Mariss Jansons dirigiert Opern in Salzburg

















Der weithin geschätzte Maestro Mariss Jansons kann aufgrund seiner umfangreichen Verpflichtungen bei diversen Spitzenorchestern im sinfonischen Bereich viel zu selten für die Übernahme von Operndirigaten gewonnen werden. Der neue Chef der Salzburger Festspiele Markus Hinterhäuser hatte offenbar Überzeugungskraft und Glück: Wie bereits durchgesickert ist (die offizielle Verkündung des Programms findet erst im Herbst statt) wird Jansons im kommenden Jahr eine Neuproduktion von Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk dirigieren. Eine reizvolle Aufgabe für den akribisch arbeitenden Schostakowitsch-Experten, Regie soll Andreas Kriegenburg führen. Interessante Vergleichsmöglichkeiten ergeben sich für das Publikum, weil die Bayerischen Staatsoper für diesen Herbst eine Neuproduktion eben desselben Stückes ankündigt, mit Kirill Petrenko im Graben und Harry Kupfer am Regiepult. Für den Sommer 2018 kehrt Jansons erneut zu den Salzburger Festspielen zurück, dann steht Tschaikowskis Pique dame auf dem Programm. Die aktuelle Produktion des Stückes aus Amsterdam, ebenfalls mit Mariss Jansons als Dirigenten, kann derzeit auf The Opera Platform abgerufen werden.

Samstag, 13. August 2016

Berlioz' Béatrice et Bénédict als Stream aus Glyndebourne















Hector Berlioz gehört ohne Zweifel zu den interessantesten Komponisten des 19. Jahrhunderts, glücklicherweise finden seine teilweise ziemlich großformatigen Werke inzwischen wieder regelmäßige Berücksichtigung in den Spielplänen der Opernhäuser und Festivals. Anlässlich des Shakespeare-Jubiläums hat des Festival in Glyndebourne in diesem Jahr eine Neuproduktion von Beatrice et Benedict ins Programm aufgenommen. Mit der literarischen Komplexität der dramatischen Vorlage Viel Lärm um nichts kann es die Oper nicht ganz aufnehmen, aber musikalisch lässt das Werk keine Wünsche offen. Große Chor- und Ensembleszenen wechseln wirkungsvoll mit prägnanten Arien und Duetten und alles ist raffiniert instrumentiert. Regieroutinier Laurent Pelly hat das effektvoll in Szene gesetzt, bis zum 16. August 2016 kann die komplette Aufführung auf der Homepage des Festivals gratis angeschaut werden!

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